Wednesday, 3 September 2014

Du


Du setzt dich dezent in die Mitte des Zugwagons,

wenn es auseinander bricht wird es dich zuerst treffen.

Du bist der Erste auf dem Bahngleis,

wenn der Zug einrollt, wirst du der erste darunter sein.

Du bist der Letzte, der die Stadt verlässt

wenn die Bombe hochgeht, wirst du inmitten der Leichen sein.

 

Denn du bittest deine Engel um eine Auszeit,

du betest den Göttern um ein bisschen Einsicht zu.

Du lädst die Dämonen zum Spiel ein,

denn insgeheim hoffst du auf das unendliche Seelenheil,

das dir vor siebenhundert Jahren versprochen wurde.

 

Du beobachtest die Ambulanz und merkst dir ihren Weg,

wenn die Sirene hochgeht über den Köpfen erschallt, wirst du zur Stelle sein.

Du phantasierst über Brücken und Hochhäuser und deren Luftzug,

wenn du dich runterstützt und deine Flügel ausbreitest, soll dich kein Windstoss retten.

 

Denn du bittest deine Macher um eine Verschnaufpause,

du gehst nicht auf die Knie für Mitgefühl oder Sternenstaub,

du lässt dich fallen in ein Meer aus Wehmut und Angst,

denn heimlich und stillschweigend hoffst du auf Schall und Rauch,

Asche auf deinem Haupt für sieben Jahrzehnte von nun an.

 

Du hoffst, denn du glaubst,

du bleibst, denn du frierst,

du gehst, denn du hast,

du siehst, denn du bist,

du hörst, denn du lügst,

du fühlst, denn du bereust,

du atmest, denn du lebst,

du fliegst, denn du springst,

du wirst, denn du warst,

du stirbst, denn du starbst.

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