Thursday, 25 September 2014

Haut & Knochen

Als wir ins Zimmer traten, lag sie auf dem Bett, zusammengekauert und gebrochen, auf ihrer linken Schulter, mit dem Gesicht zur Wand und den Füssen zum Fenster, durch dessen Vorhang die Sonne vermochte, einen leichten Schatten ins Zimmer zu werfen. Ich trat langsam ans Bett heran um zu sehen, ob sie noch atmete, sah die Legion an Wasserflaschen, die ihr Bett umzingelten. Sie war blass, eine Leiche, nein, ein Geist in einem Körper, der nicht mehr länger sein wollte. Aber das Wasser beruhigte mich. Das Wasser gab mir Hoffnung. Sie hat gehungert, sich nicht ertränkt in einem See aus Nichts. Sie wollte den Schmerz langsam und die Seele entweichend erleben. Ich kroch zu ihr aufs Bett, sah, wie sie leichte Atemzüge nahm. Ich legte meinen Kopf neben sie und flüsterte in ihr Ohr, dass wir gekommen sind um sie mitzunehmen. Ich wusste nicht ob sie mich hörte, so flüsterte ich weiter wie sehr ich ihre Stärke bewunderte, ihren Willen, ihr Durchhaltevermögen. Und dass ich niemanden gehen lasse ohne sich zu verabschieden. Ich schickte meinen Bruder für Essen runter in die Küche. In dem Moment erwachte sie in der Realität, krallte sich mit all ihrer Kraft meinen Armen und hielt mich fest, sprach, Es gibt nichts mehr für mich, nichts mehr für mich und dich und deinen Bruder in der Küche. Nebenan, Nummer 4, sie wird dir alles geben, was du willst. Sprich vom Ferienhaus in Italien, sie wird dich dafür lieben. Ich würde inzwischen ein Bad einlassen, und sie zeigte eine milde Reaktion als sie zugab, Du kannst mich im Wasser sinken lassen, der Garten ist gross genug um ein Loch zu graben, begrab endlich das Beil. Ich sagte dies stehe ausser Frage, darum würde ich sie, wenn denn notwendig, ausziehen, sie auf dem Arm zur Wanne tragen und ins Wasser eintauchen lassen. Sie lächelte leicht und sagte, Nicht nötig, ich kann mich selbst tragen. Ich bin noch nicht tot. Noch nicht. Also ging ich ins Badezimmer, liess das Wasser an, ging über den Flur zurück zum Schlafzimmer, nahm sie beim Arm, hob ihren Oberkörper in die Sitzposition, half ihr auf die Beine, und nach ein paar unnatürlichen Versuchen balancierte sie sich selbst, und setzte langsam Fuss um Fuss aus dem Schlafzimmer, den Gang entlang, ins Badezimmer, wo die Seifenblasen und der Schaum den Raum zu füllen begannen, und der Duft des Lavendel füllte unsere Nasenlöcher und brachte ein bisschen Farbe zurück auf ihre Wangen. Während sie ihre Robe auszog, kehrte ich meine Augen zum Spiegel, um darin ihre Haut und Knochen reflektiert zu sehen, und das Blut entwich meinem Gesicht. Sie liess sich langsam ins Wasser nieder und das Wasser umhüllte ihren Körper von Hals bis Fuss. Ich setzte mich neben der Wanne auf den Boden und erzählte ihr eine Geschichte über meinen Hund Otto und unsere Nachbarskatze Miau, und dass Otto ein grosser Fan der Katze sei, besonders wenn sie tut, was Katzen am besten können; er würde dann in den Garten verschwinden und nach einer halben Minute daran erinnern, dass wir ihn immer im Auge behalten sollten. Sie sah mich an mit ihren wässrigen Augen, die jederzeit drohten zu rennen, um einen langen Strang an salzigen Tränen in die Wanne zu lassen, und sie sagte Du hättest nicht kommen sollen, du hättest nicht, sie sagte wieder und wieder, Ihr hättet mich dort lassen sollen, es ging mir gut, alleine, so wie ich war, und alles, alles was ich wollte, war alleine gelassen zu werden, nur für eine Sekunde bevor die Hölle losbricht, ich wollte für eine Sekunde atmen können bevor ich wieder ins Sonnenlicht getreten wäre nach dieser einen ruhigen Minute. Und ich sagte, dass ich ihr glaube, und sie sagte Lügner, jetzt bin ich dir schuldig, du bist gekommen wie ein Ritter auf hohem Ross, warum zum Teufel bist du hier, hättet ihr mich doch alleine gelassen. Und ich sagte ich brauche sie um das Projekt zu beenden, wir können nicht ohne ihre Hilfe mit den Proben beginnen, wir haben uns auf die Zusammenarbeit mit ihr gefreut, wie kann sie uns nur so enttäuschen? Wir, die sie so vergötterten, wir haben auf sie gezählt, und sie sagte Nun ist alles egal, die ganze Welt beurteilt meine Schritte, hofft, dass ich tiefer falle je höher es hinauf geht, und das Loch in das ich fiel ist kilometer-breit und meilen-weit, und ich, ich bin noch nicht unten angekommen, also lasst mich bitte, für eine Sekunde mehr, im Freifall meinen Willen zurück gewinnen. Ich werde bald wieder auf den Beinen sein. Und ich sagte, dass dies nicht nötig sei, wir würden sie mitnehmen zu meinem Bruder, der Frau und den Kindern mitsamt Hund gehen wir fort, weit fort, um ihre Geschichte zu beenden, einen Schlussstrich ziehen, eine federweiche Matte unter den Freifall legen um den Aufprall zu dämpfen, denn wir würden, um nichts in der Welt, sie einfach so gehen lassen. Sie drehte den Kopf zur Wand, ihre Wange mit Badeschaum geschmückt, und sagte Gut, ich komme mit, aber die Auszeichnung an der Wand macht mich nicht zu Gott, denn, wie Sokrates weiss ich, dass ich nichts weiss, ich bin naiv, bin emotional, und diese Achterbahnfahrt möchte ich euch ersparen, und ich sagte es sei mir bewusst, dass dies der schleichende Anfang sei, aber jede Hauptprobe muss misslingen, damit die Premiere läuft. Wir würden einander unterstützen und für einander da sein, und wer weiss, früher oder später, vielleicht, eines Tages, werde es in Ordnung sein, und sie sagte Was, wenn es nie gut wird? Was, wenn ich verdammt und wir dem Untergang geweiht sind? Ich überlegte und antwortete schliesslich, dass von allen Personen, die ich in meinem kurzen Leben kennenlernen durfte, sie die einzige sei die immer noch zu mir Stehe, an meiner Seite sei, wie Petrus als Fels in der Brandung, und nun sei die Zeit gekommen, da genau dieser Stein in der Brandung verschoben und entrückt war, und ich ihn wieder in die richtige Position zurückbringen durfte. Nach einem Moment der Stille wandte sie sich wieder mir zu, setzte sich gerade in der Wanne hin, und ich betrachtete ihre Knochen, das Skelett, das unter ihrer Haut hervortrat, ihre kleinen Brüste, die noch vor zwei Wochen voller Leben und Freude waren, und sie sagte Ich vermisse ihn. Ich vermisse ihn so sehr. Und ich habe keine Ahnung, was nun geschehen soll. Sie legte ihren nassen, warmen Arm um meine Schultern und ich erwiderte die Geste und kümmerte mich nicht um die Seifenblasen und die Wasserflecken auf meinem T-shirt, und meine Finger berührten ihren gebrechlichen Rücken und hoffte insgeheim, mein Bruder würde von Nummer 4 zurückkehren, die Nudeln nicht versalzen, denn sie hungerte nur der Liebe wegen. Also hielt ich sie ein Weilchen länger, und der Lavendel des Badeschaumes verirrte sich wieder in meine Nase, und ich dachte, wie gut sie riecht, und für eine Sekunde hoffte ich, das Wasser würde niemals auf ihrer Haut trocknen. Aber sie liess mich los und ich stand auf, hielt ihr das Tuch bereit und sie stieg aus der Wanne. Und als sie ihre Haare sanft mit dem Tuch rieb und ich wieder Ihre schmale Silhouette im Spiegel sah, wurde mir klar, dass die Zerbrechlichkeit Ihres Körpers niemals so gemein werde wie die ihrer Seele.

Saturday, 20 September 2014

Doesn't it?


Doesn’t it feel good to be grateful,

At least once in your life?

Doesn’t it feel good to be alike,

In those moments you close your eyes?

Doesn’t it suffice to know you are good,

No matter the circumstance?

Does it?

Doesn’t it soothe you to know there’s still love in your heart,

And everyone you meet

Does open up a bit.

 

Doesn’t it make you sad to order your food, your girlfriend,

Your life over the internet,

Doesn’t it enrage you to still wage that useless war against your better judgment,

Your friends, your people,

Doesn’t it?

 

And do you wish the rain to wash away that wrinkle on your forehead,

That grey hair of yours?

Does it?

 

Doesn’t that song spread its blasphemous ideals all over your brain?

And you believe that fake smile to be true,

Your gullible kind, and

Oh you pretty swell sound,

Doesn’t it?

As we were


As we were laying on the bed,

We were suddenly aware of our mortality.

And as we decided there and then

To build and structure our lives around each other,

We realised that the only way forward was the way ahead.

And as we became aware of

The space we hold in each other’s lives we decided that

We should strengthen the knot we established.

So we thought it would be okay

To linger, to resist the urge to get up and get going.

Because we knew that once we did,

We would be slaughtered by everyone who

We expected to swallow their envy.

Wednesday, 10 September 2014

Who said


Why are you sweating, she said,

I’m not feeling too well, he said,

You always look tired, she said.

And she leaned over the counter as she

Pressed her lips to his,

Lost her balance and dropped her mobile.

You’re quite clumsy, you know, he said.

 

And while she said that he’s sweating to death,

The world suddenly started turning

At a much faster pace, she said,

People die of unnatural behaviour,

And he looked at her in disbelief, assuring her

Not to let his guard down that easily.

You always look tired, he said.

 

And he couldn’t feel his feet on the ground

Because his nose was high up in the air,

I’ve been sitting here since I don’t know when,

So he was rather pissed off when she,

In a subtle move, locked her lips to his,

Why you keep doing that, he said.

You always look tired, she said.

 

Time is love, he philosophies,

But when you’ve run out of it

It’s either wasted or doomed, she said.

And he never minded that sweetness of hers

When she pursed her lips.

I’m not feeling too well, he said.

 

Whoever does always looks tired, she said.

Friday, 5 September 2014

Accurate


It hits you in that one second you spend

Sitting on the edge of your bed

And suddenly you feel the insignificance

Of your life burning slowly into your skin,

And you long to take that final bath,

And you secretly choose that knife of yours

That cuts into your flesh down to your bones.

 

So you stop conversing with the world and

All the other spheres that surround you

All you can do is appreciate the city-lights

That you have come to loathe and value

In all their vanity and luminous glory.

 

And you long to keep that breath in your lungs,

And you secretly choose never to exhale

while your head is up in the clouds and underwater.

 

And you lose your dignity, you lose control,

and you open that window into your soul, the night

that will embrace you in its stillness

and will never let go of you again.

Wednesday, 3 September 2014

Du


Du setzt dich dezent in die Mitte des Zugwagons,

wenn es auseinander bricht wird es dich zuerst treffen.

Du bist der Erste auf dem Bahngleis,

wenn der Zug einrollt, wirst du der erste darunter sein.

Du bist der Letzte, der die Stadt verlässt

wenn die Bombe hochgeht, wirst du inmitten der Leichen sein.

 

Denn du bittest deine Engel um eine Auszeit,

du betest den Göttern um ein bisschen Einsicht zu.

Du lädst die Dämonen zum Spiel ein,

denn insgeheim hoffst du auf das unendliche Seelenheil,

das dir vor siebenhundert Jahren versprochen wurde.

 

Du beobachtest die Ambulanz und merkst dir ihren Weg,

wenn die Sirene hochgeht über den Köpfen erschallt, wirst du zur Stelle sein.

Du phantasierst über Brücken und Hochhäuser und deren Luftzug,

wenn du dich runterstützt und deine Flügel ausbreitest, soll dich kein Windstoss retten.

 

Denn du bittest deine Macher um eine Verschnaufpause,

du gehst nicht auf die Knie für Mitgefühl oder Sternenstaub,

du lässt dich fallen in ein Meer aus Wehmut und Angst,

denn heimlich und stillschweigend hoffst du auf Schall und Rauch,

Asche auf deinem Haupt für sieben Jahrzehnte von nun an.

 

Du hoffst, denn du glaubst,

du bleibst, denn du frierst,

du gehst, denn du hast,

du siehst, denn du bist,

du hörst, denn du lügst,

du fühlst, denn du bereust,

du atmest, denn du lebst,

du fliegst, denn du springst,

du wirst, denn du warst,

du stirbst, denn du starbst.